Damian Henniger September 3, 2017
Frühfranzösisch oder Frühenglisch? Die junge SVP will dazu das Volk befragen lassen und kündigt eine entsprechende Volksinitiative für den kommenden Herbst an.

von Jürg Auf Der Mauer

Jetzt wird die Sprachdebatte auch im Kanton Schwyz zum Thema.Wie bereits in den Kantonen Zürich oder Thurgau soll auch imKanton Schwyz das Volk bestimmen können, ob in denPrimarschulen weiterhin zwei Fremdsprachen unterrichtet werden. Noch diesen Herbst will die junge SVP des Kantons Schwyz ein entsprechendes Volksbegehren lancieren. Kommt die Initiative zustande, nötig sind dafür 2000 Unterschriften, wird das Volk zum Entscheid an die Urne gerufen. Heute wird im Kanton Schwyz ab der dritten Klasse Englisch und ab der fünften Klasse Französisch unterrichtet.

Initiativtext bereits für gültig erklärt

Die Vorarbeiten für die Lancierung der Initiative sind dabei schon weit fortgeschritten. Beim Rechtsdienst der KantonalenVerwaltung wurde der Text bereits zur Vorprüfung eingereicht und in der Zwischenzeit für gültig erklärt. Entsprechende Informationen wurden dem «Boten der Urschweiz» von Damian Henniger, dem Präsidenten der jungen SVP Schwyz, bestätigt. Formell steht dem Vorhaben damit nichts im Wege. Anders als bei der Volksinitiative gegen den Lehrplan 21 wurde hier der sichere Weg gewählt. «Untersuchungen haben gezeigt, dass rund 65 Prozent der Primarschüler die gesteckten Ziele weder im Frühfranzösisch noch im Frühenglisch erreichen», begründet Henniger das Anliegen der Jungen SVP. Dazu komme, dass allenthalben kritisiert werde, dass auch die Kompetenzen in Mathematik oder Deutschmangelhaft seien. Das werde zu einem zunehmenden Problem. «Deshalb sagen wir: Es ist besser, auf der Primarschulstufe nur eine Fremdsprache zu unterrichten. Die gewonnenen Schulstunden könnten dann für mehr Mathematik- oder Deutschunterricht eingesetzt werden.» Ob Frühfranzösisch oder Frühenglisch über die Klinge springen soll, halten die Initianten bewusst offen. Der Entscheid soll im Schwyzer Erziehungsrat gefällt werden. Henniger: «Persönlich bin ich der Ansicht, dass Frühenglisch
gestrichen, Frühfranzösisch aber bleiben wird. Nicht zuletzt aus staatspolitischen Gründen.»

Stähli: Staatspolitische Gründe sprechen für Französisch

«Die Initiative will wie in Zürich und Thurgau, dass künftig nur noch eine Sprache unterrichtet wird», sagt Bildungsdirektor Michael Stähli. In Zürich wurde das Volksbegehren unlängst deutlich abgelehnt, im Thurgauwird der Kantonsrat und voraussichtlich auch der Stimmbürger entscheiden. Das Schwyzer Bildungsdepartement verfolge die Volksabstimmungen mit bildungspolitischem Inhalt in den verschiedenenKantonen mit grossem Interesse. «Ohne dem Erziehungsrat vorgreifen
zu wollen:Ich denke, dass allein aufgrund der staatspolitischen Dimensioneher Englisch und nicht Frühfranzösisch
über die Klinge springen müsste», sagt Michel. «Ob das die Absicht der jungen SVP ist oder das in ihrem Sinne wäre,das
müssen sich die Initianten im Voraus gut überlegen.» Dass es im Kanton Schwyz zu einer Abstimmung über den künftigen Fremdsprachenunterricht kommt, findet Stähli grundsätzlich gut: «Dann ist die Frage durch den Souverän beantwortet. Das bringt Klarheit ins Bildungssystem und gibt uns den weiteren Kurs vor.»

Dieser Beitrag erschien am Donnerstag 8. Juni 2017 im Bote der Urschweiz  auf der Titelseite (bote.ch)